Der rote Mond

Eine totale Mondfinsternis kommt häufiger vor als eine totale Sonnenfinsternis und ist schon aus diesem Grund weniger spektakulär. Außerdem ist es in diesem Zeitraum immer dunkel und der Mond leuchtet bei Weitem nicht so hell wie die Sonne. Trotzdem war dieses Ereignis vom 9. Jänner 2001 was Besonderes, denn das Streulicht der Sonne war diesmal so intensiv zu sehen, wodurch der Mond eine leuchtend rote Farbe bekam.

Anfangs war der Himmel wie bei der Sonnenfinsternis bewölkt. Doch je näher die Totalität rückte, desto klarer wurde er, bis man zusätzlich zum immer sichelförmiger werdenden Mond auch noch zahlreiche Sterne sehen konnte. Auch zu dem Naturschauspiel waren wir drei (mein Günther, sein Bruder Willy und ich) wieder vereint. Wir brauchten aber nicht mit dem Auto hinaus ins freie Gelände zu fahren, um uneingeschränkte Sicht zu haben, denn die Mondfinsternis war über weite Teile Europas – und noch dazu von Willys südöstlichem Balkon aus – herrlich zu beobachten. Er hatte sein Teleskop aufgebaut und so standen wir warm angezogen gegen 21 Uhr draußen und beobachteten die beginnende Finsternis. Auch waren wir mit unseren digitalen Fotokameras ausgerüstet, mussten aber sehr bald feststellen, dass es für die Aufnahme zu dunkel war und der Mond auf dem Foto aussah, wie ein winziger undefinierbarer Lichtpunkt. Bei dieser noch vorhandenen Sichel reichte auch das integrierte Zoomen nicht mehr aus.

Die silberne noch sichtbare Mondsichel

Es war besonders beeindruckend, wie rasch der Mond verschwand. Auf einmal war sie da, die leuchtend rote Mondkugel. Sie war irgendwie unheimlich anzusehen, wirkte übergroß und majestätisch. Die Sterne rundherum funkelten, besonders der Jupiter glänzte am nun dunklen Nachthimmel von dem er sich eindrucksvoll abhob, weil ja der Mond an Helligkeit eingebüßt hatte. Im Gegensatz zur Korona, die man ja nur knapp zwei Minuten bewundern konnte, warf die Erde ca. zwei Stunden ihren Schatten auf den Mond. Also hatte ich genügend Zeit, mir überlegen zu können, wie ich den "roten Mond" am besten festhalten konnte. Und da kam mir auch eine Idee. Ich nahm die Fotokamera und hielt das Objektiv direkt auf das Okular des Teleskops. Wie schätzte ich gerade in dem Augenblick den kleinen Monitor der Digitalkamera, denn so konnte ich – noch vor das Bild gemacht wurde – sehen, ob überhaupt etwas darauf zu erkennen war. Die Freude war groß, auch wenn der Mond durch diese derartige Vergrößerung etwas verschwommen aussah. Willy und Günther waren begeistert, und weil wir ja genügend Zeit hatten, konnten wir in aller Ruhe Fotos machen. Man konnte, trotz der Röte, die Krater auf der Mondoberfläche sehen, die man ja auch sah, wenn er als Silberscheibe am Horizont leuchtete. Jetzt präsentierte er sich so, als hätte man ihm lediglich eine rote Glasscheibe vorgesetzt. Während ich mit meiner Kamera hinter dem Teleskop stand, kam mir meine Sehbehinderung sogar zugute, denn ich musste dadurch sehr viel Geduld aufbringen, um den Mond durch Okular und Objektiv einzufangen, ihn in die Mitte des Bildes zu bekommen und dann auch noch mit ruhigen Händen abzudrücken, um nicht zu verwackeln.

Der rote Mond in voller Größe

Es war sehr kalt in dieser Jännernacht, meine Finger fühlten sich nach kurzer Zeit eisig und klamm an, denn die Metallgehäuse von Teleskop und Fotoapparat leiteten die Kälte noch zusätzlich weiter. Doch ich war vom roten Mond und den Aufnahmen begeistert und konnte nicht aufhören zu knipsen. Als Günther und ich schließlich gegen 23 Uhr nach Hause fuhren, kam der klare Silbermond wieder zum Vorschein. Es war ein gelungenes, beeindruckendes und schönes Event gewesen.

Wortbeschreibung: Wie sieht der Mond eigentlich aus, wie die Sterne und wie die Milchstraße?
Das versuchte ich vor allem für blinde Leser zu bechreiben.


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Letztes Update 16. Juni 2001
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