A Krippele

Weihnachten, wer denkt heutzutage noch an den Sinn des - vor allem - Heiligen Abend? Es fängt ja schon, so gut wie, Mitte Oktober an, dass in den Geschäften typisch weihnachtliche Süßigkeiten angeboten werden. Niemand will jetzt im Herbst schon an Weihnachten denken, noch sind die Festtage zum Glück weit weg. Bald aber folgen Weihnachtsbeleuchtungen, Adventmärkte und "Happy Christmassongs" auf allen Sendern. Anfangs gefallen sie, man singt mit, nach einiger Zeit kann man - das stets Gleiche - aber schon nicht mehr hören, also her mit einem anderen Sender oder einer CD.

Fast Jeder zermartert sich den Kopf darüber, was bloß wem schenken? Das macht so Manchen gereizt und nervös. Hektisch, ziellos und chaotisch wird herumgerannt, herumgesucht, mitunter Sinnloses gekauft und jeder will jeden mit noch schöneren und teurerern Geschenken übertrumpfen.
Viele wollen oder können sich dies und jenes im Grunde nicht leisten und trotzdem muss es ein Packerl sein, möglichst groß oder schwer.

Vielerorts spitzt sich am heiligen Abend die Lage zu. "Die Familie gehört zusammen" und meist besteht die aus mehreren Leuten, die man eigentlich nicht dabei haben will und die selbst nicht wollen, Rücksichtnahme oder auf Wünsche eingehen, Fehlanzeige. Hausfrau hat aufzutischen und für das Wohlbefinden der Gäste zu sorgen.
Der Baum muss groß sein und mit allem möglichen Schmuck darauf, damit er ja der schönste und beste weit und breit ist und von allen Seiten nur ja bewundert wird.

Meine Eltern waren Kinder aus Bauersfamilien, seinerzei konnte auch jeder ein Instrument spielen und sie wurden zu gläubigen Katholiken erzogen. Wir hatten einen Herrgottswinkel und am heiligen Abend stand dort, inmitten von Tannenzweigen, eine Krippe. Darin lag das Jesuskind auf Stroh. Das ist lange her, nichts davon existiert mehr.

"A Krippele" bekam ich vor wenigen Tagen mittels Postweg von einem Menschen, der vermutlich nicht ahnt, welche Freude er mir damit machte. Eingebettet in eine größere Walnuss sind Maria und Josef und in der Mitte das Christuskind in einer Krippe aus Stroh, wie ich sie in Erinnerung habe.
Herbert hat sie selbst mit viel Sorgfalt und Feingefühl gebastelt und die Figuren bemalt. Diese kleine Krippe ist einzigartig und das schönste Geschenk, welches ich seit Jahren bekam.
Dieses Krippele, die Geburt Jesu, das ist für mich der eigentlich Sinn von Weihnachten. Es symbolisiert, Ruhe, Stille und Zufriedenheit.

Diese Krippe steht bei Papas Foto (er starb vor 21 Jahren) und erinnert mich an eine unvergessen schöne Zeit.


Maria, Josef und inmiten das Jesukind


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Letztes Update 24. Dezember 2011
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