Adventzeit

Die Adventzeit ist die stillste Zeit im Jahr, heißt es. Ich freue mich schon länger vorher darauf, denn für mich ist es die Zeit des Bastelns, Dekorierens, Bummelns und Freuens.

Den Anfang macht das alljährliche Adventkranzflechten. Schon beim Kauf des Reisigs komme ich in vorweihnachtliche Stimmung, denn es riecht nach Tannennadeln und das erinnert mich an den heiligen Abend, wenn Günther und ich den großen duftenden Baum schmücken, was wir beide wirklich leidenschaftlich gerne tun. Ma (so nenne ich Günthers Mutter liebevoll) und ich machten uns am Samstag vor dem 1. Advent an den Kranzbau. Bei ruhiger Musik und indirekter Beleuchtung machten wir uns begeistert ans Werk.

Ma und ich beim Kranzanfertigen

Der Reisigbund wurde zerlegt, der Reifen damit ausgekleidet und abschließend mit einem Draht umwickelt. Zur Verzierung kamen Kerzen, Zapfen, Zimtstangen, Maschen und einiges mehr darauf. In eineinhalb Stunden hatten wir unseren Adventkranz fixfertig. Weil wir stolz auf unser Machwerk sind, finden wir wohl deshalb unsere Kränze am schönsten.

Die fertigen Kränze

Ich kann es kaum bis zum 1. Adventsonntag erwarten, weil ich dann die Wohnung dekorieren kann. Zur Begrüßung kommt ein kleiner Kranz auf die Außenseite der Eingangstür. In den linken Fensterflügel des Wohnzimmerfensters kommt der leuchtende Baum, in den rechten der ebenfalls leuchtende Rudolf mit der roten Nase. Nicht nur meine Fensterdekoration ist von der Straße aus sichtbar. Es sieht so romantisch aus, wenn es dämmrig wird und außer den beiden Fensterbildern kein Licht brennt.

Die leuchtenden Fensterbilder

Mein Dufthäuschen am Tisch riecht nach Orangen und Kerzenschein vermittelt Frieden und Ruhe. Diese Idylle begleitet mich von nun an bei jedem Essen und abends. Auf die Holzdecke klebe ich Sterne, Kugeln mit Stickereien und selbstgemachten Strohbehang. Ins Fenster des Computerzimmers kommt der Fensterbogen.

Fensterbogen

Er durchflutet die Umgebung mit mattem Licht und Kerzen am Schreibtisch machen es auch im meist frequentierten Bereich vorweihnachtlich. Der Minichristbaum kommt ins Schlafzimmer, so hat jeder Raum etwas adventliches an sich.

Gehe ich hinaus auf die Straße, kuschle ich mich in die dicke Jacke und ziehe den Kapuzenschal tief ins Gesicht. Es riecht nach Schnee und wenn er nur auf den Wiesen und Dächern liegen bleiben würde, könnte es Tag und Nacht schneien *lächel*. Viele Geschäfte und Straßen sind weihnachtlich beleuchtet. Es sieht so eindrucksvoll aus, wenn der Tag grau und düster ist, als würde einem ein Lichtermeer den Weg erhellen. In den Geschäften glitzert und funkelt es durch glänzende farbige Kugeln und Sternchen. Weihnachtsmusik tönt aus den Lautsprechern und ich mache mich begeistert auf Schnäppchenjagt, die man grad vor Weihnachten findet, wenn man geduldig sucht. Die Hektik anderer Menschen macht mir nichts aus weil ich die Ruhe in Person bin.  Ich liebe das Schlendern durch die Gänge, in denen man sich nicht Sattsehen kann. Meine Sehbehinderung macht mir nichts aus, ich hab ja Zeit, die ich mir auch nehme. Geh ich eben näher an die Objekte heran und greife ich sie mir halt an. Kaum Jemand hat etwas dagegen, bin ich gekennzeichnet.

Der Rucksack ist schon ganz schön voll gepackt, da führt mein Weg am Christkindlmarkt vorbei. Es riecht nach Glühwein und Punsch und weil’s draußen ja wirklich kalt ist, genieße ich bald darauf ein heißes Getränk. Zugleich kann ich nach besonders speziellen handgefertigten Kugeln Ausschau halten. Sie sind zwar meist sehr teuer, doch weil ich mir seit Jahren jeweils nur wenige kaufe, sieht unser Christbaum stets edler und prachtvoller aus.

Das Einpacken von Geschenken ist ein richtiges Ritual. Schöne Weihnachtsmusik, duftende Räucherstäbchen und viel Zeit sind das wichtigste für mich. Dann wird mit viel Liebe jedes Detail noch einmal genau inspiziert und schließlich sorgfältig verpackt. Hauptsächlich verwende ich Folien, da sie alle Jahre wieder verwendbar sind und keine Müllberge verursachen. Auch dekorativ schöne Handtücher mit bunten Bändern sehen wirklich toll aus. Ich stelle mir vor, wie sich der Beschenkte am heiligen Abend freut und diese Vorfreude darauf ist die schöste Freude für mich.


Zurück zur Traumtänzer
Zur Startseite

Letztes Update 03. Dezember 2001
© Copyright by Nothburga Karnutsch, Wien