Vitiligo - auch Weißfleckenkrankheit genannt

Wann entstand sie bei mir?

Im Sommer 2001 bemerkte ich eine Veränderung der Haut meines rechten Daumen- und Ringfingergelenks. Auf dem folgenden Foto schreibe ich mir mit einer Blindenschrifttafel eine Notiz. Die beginnende Vitiligo ist gut zu erkennen.

Schreiben auf der Brailletafel

Ich wunderte mich einerseits und war beunruhigt andererseits. Weil sich diese weißen kleinen Flecken vergrößerten, ging ich zum Hausarzt. Dort hörte ich zum ersten Mal den Begriff Vitiligo (gesprochen Witiligo), wusste aber noch nichts darüber. Ich kümmerte mich nicht weiter darum, waren ja nur zwei kleine Stellen und die sah man kaum.

Weiterer Verlauf

Die Jahre vergingen, 2003 hatte ich eine Fehlgeburt. Bei der Nachuntersuchung diktierte der Gynäkologe der Assistentin unter anderem:
„und Vitiligo im Genitalbereich“
Ich war schockiert und frustriert, obendrein war es mir peinlich, auch dort noch.

Damit nicht genug.
Als ich im Fitnesscenter trainierte, meinte eine Frau zu einer anderen leise:
„Hast du gesehen, die hat unter der Achsel einen ganz weißen Fleck“.
Am liebsten wäre ich im Erdboden versunken, weil ich mich genierte. Grad auf meine, inzwischen Minimuskeln, war ich stolz und hatte deshalb ein ärmelloses Leibchen an.

Da sich die Flecken inzwischen auch auf die Handrücken und Finger ausgebreitet hatten, kam ich auf die Idee, mit Selbstbräuner abzudecken. Zumindest waren sie so nicht für Jeden sofort sichtbar wie z.B. auf den beiden Fotos, die ich im Jänner 2009 aufnahm.

rechte Hand linke Hand

Wieder eine Zeit später, ich war beim Frisör, um meine Strähnchen nachblondieren zu lassen, meinte die Frisörin:
„Jö schaut das gut aus, sie haben da eine ganz weiße Strähne“
Ich teilte ihre "Begeisterung" nicht, nun fings auch noch bei den Haaren und auf der Kopfhaut an, na fein, dachte ich.

Was ist eigentlich Vitiligo?

Vitiligo wird auch als Weißfleckenkrankheit bezeichnet, wobei man sich unter dem Begriff Krankheit etwas eher Schlimmeres oder Ansteckendes vorstellt, beides ist es aber nicht. Die Flecken tun nicht weh, körperliche Beeinträchtigungen oder Beschwerden gibt es nicht und mit ihnen kann man rein theoretisch "steinalt" werden. Größe, Form und Anzahl der Flecken können bei jedem Menschen unterschiedlich sein und in jedem Alter auftreten.

Ursachen?

Es gibt mehrere mögliche Ursachen, denn im Prinzip ist unbekannt, warum die Flecken entstehen bzw. wieso sie größer und mehr werden.

1. Der Körper bildet auch Abwehrstoffe gegen Gesundes, wie in dem Fall die Melanozyten und zerstört sie.
Was sind Melanozyten?
Die Farbe der Haut stammt vom Pigment Melanin, welches von Zellen in der Oberhaut produziert wird, die Melanozyten heißen. Dieser Vorgang nennt sich Autoimmunerkrankung. Das ist ein Überbegriff für eine überschießende Reaktion des Immunsystems gege körpereigenes Gewebe.

2. Bei Oxidationsreaktionen im menschlichen Organismus entsteht Wasserstoffperoxid (H2O2). Es wird von entsprechenden Enzymen zersetzt. Das wichtigste Enzym für die Spaltung von H202 ist die Katalase. Genau diese funktioniert bei Vitiligo-Betroffenen durch eine Stoffwechselstörung nicht mehr ausreichend, wodurch das H2O2 nicht mehr richtig abgebaut werden kann. Es entsteht somit eine Übersäuerung der Haut, das H2O2 wirkt dann aggressiv und bleichend. Normalerweise entgiftet das Enzym Katalase das H2O2, das sich ständig in der Haut bildet.

3. Sonnenbrand oder Verletzungen der Haut.

4. Eine Schilddrüsen&uul;ber oder -unterfunktion bzw. eine Schilddrüsenerkrankung.

5. Zu viel Stress bzw. psychische Belastung, auch wenn beides nicht bewusst wahrgenommen wird.

Gibt es Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten?

Im Sommer 2008 suchte ich einen Hautarzt auf. Er meinte, man kann die weißen Stellen zwar bestrahlen, das wäre aber ziemlich zeitaufwändig (ca. 2 x die Woche für mitunter viele Monate), also sehr langwierig und könnte auch erfolglos verlaufen.

1. Es gibt mehrere Bestrahlungsmöglichkeiten, auch für daheim. Meist handelt es sich um UVB- oder Laserbehandlungen (Lichttherapie).
Zur Information, im Solarium sind großteils UVA-Strahlen.

2. Es gibt mehrere Salben zum Auftragen auf die Flecken. Meist wird Protopic verschrieben, das zB ich verwende. Es ist aber sehr fetthaltig, kann aber nach einer halben Stunde abgetupft werden. Die Prozedur kann ebenfalls erfolglos bleiben.
Momentan wird viel über schwarzen Pfeffer bzw. Kapseln mit dem Namen "Piperin" diskutiert. Einerseits soll es in Verbindung mit Zinksalbe und Bodylotion zu einer Creme gemischt sehr gute Erfolge erzielen, andererseits wird vor der Verwendung gewant.
Ebenso ist von Kichererbsen die Rede, aber auch das ist zu neu, um detaillierter darüber Auskunft geben zu können.
Es bleibt in dem Fall Jedem selbst überlassen und obliegt der eigenen Verantwortung, es zu versuchen. Weder im Fall von Piperin noch Kichererbsen gibt es ein Rezept fü die richtige Mischung

3. Antioxidantien erweisen sich als günstig gegen die Flecken, natürlich gibts auch hier keine Erfolgsgarantie.
Es sind vor allem die Vitamine C, E, A, Selen, Eisen, Ginko, Petersilie, Knoblauch, Zink, Folsäure. B-Vitamin (Beta-Karotin) etc.

4. Basische Ernährung
Der PH-Wert der Haut sollte bei 7,5 sein, bei Vitiligo-Erkrankten ist er meist zu niedrig, also zu sauer. Über 7 ist basisch.
Es gibt eine ganze Reihe basischer Lebensmittel, sie alle hier aufzuzählen würde den Rahmen sprengen.

5. Vermeidung von oxidativen Lebensmitteln wie:
Fettsäuren, fetthaltige Lebensmittel, keine zu stark erhitzten oder frittierten Fette (kaltgepresste Öle bevorzugen), kein Fabrik, bzw. Industriezucker (Kuchen, Schokolade, keine Weißmehlprodukte etc..

Meine Erfahrungen

Ich spüre beim darüber streichen, dass sich die weiße Haut dünner und weicher anfühlt, als wäre sie neu wie Babyhaut. Sie ist auch empfindlicher und noch mehr unter der Anwendung von Protopic. Auf den behandelten Stellen haftet der Selbstbräner weniger und bekommt außerdem eine gebliche Färbung. Das Abedecken mit Selbstbräner bietet sich in meinem Fall deshalb an, weil ich durch sportliche Aktivitäten schwitze und er je nach Sommerbräune der übrigen Haut etwa 2 - 3 Tage, auch wasserfest, hält. Es gibt aber eine Reihe von "Kaschiermöglichkeiten.

Ich persönlich vertrage das Schüssler Salz Nr 19 cuprum arsenicosum D 12 nicht. Mittels Kurzzeit- und Langzeit-EKG wurden ventrikuläre Extrasystolen (Herzrhythmusstörungen bzw. Herzstolpern) festgestellt, deren Ursache zunächst unklar war. Der Ineternist riet mir, mit der Einnahme aufzuhören, was das Problem behob. Es kann sein, dass ich die Kombination Kupfer plus Arsen (obwohl D12 eine starke Verdünung bedeutet) oder einen Bestandteil darin nicht vertrage. Ich kann nur Jedem raten, die Einnahme bzw. Dosierung vorher mit einem Arzt abzuklären, sicher ist sicher.

Ich bemerke im Winter zwar kaum etwas von den Flecken, sie scheinen sich in dieser Zeit aber zu vergrößern bzw. kommen neue hinzu, was mir im Frühling auffällt, sobald die übrige Haut durch die Sonne brauner wird.
Ich gehe ins Solarium, bzw. in die Sonne, schmiere Protopic, achte grundsätzlich auf meine Ernährung (basisch, Antioxidantien) doch bis auf ein paar wirklich nur kleine Repigmentierungen, die nicht der Rede wert sind, tut sich nichts.
Grundsätzlich habe ich keine Probleme mehr, ihre Existenz anzunehmen bzw. zu akzeptieren. Manchmal ist der Leidensdruck stärker, besonders wenn neue hinzu kommen oder bestehende größer werden, manchmal weniger.
Ich habe für mich beschlossen, keine Klimmzüge zu machen (kein Alkohol, kein Kaffee, nichts Süßes etc.) sondern einfach mein Leben zu genießen. Vielleicht gibt es einmal die ultimative Therapie, dann bin ich sicher dabei..

Da ich in Wien lebe, bin ich Mitglied einer Selbsthilfegruppe mit dem Namen "WVS" (Wiener Vitiligo Selbsthilfegrupe.
Der Austausch unter Gleichbetroffenen in diesem Forum tut mir gut. Inzwischen sind wir eine bunt gemischte Runde aus ganz Österreich und auch Deutschland. Die Website ist sehr informativ und ein Besuch lohnt sich.


04. Juni 2009

Seit drei Monaten schmiere ich ein- bis zweimal täglich mit Protopic. Ganz kleine Erfolge lassen sich erkennen und die Stellen, die ein bisschen repigmentierten, sind eine Spur dunkler als die übrige Haut. Auch sind die Flecken vom Gesamtbild her nicht mehr ganz so weiß. Ich mache diese Therapie weiter und werde sehen, was sich tut.
Fortsetzung folgt also.

beide Hände

12. Juni 2011

Gut zwei Jahre sind seit dem letzten Eintrag vergangen. Die Flecken an den Händen sind zum Glück nicht mehr geworden wie man am linken Foto sieht. Mit dem Selbstbräuner "Bronz' Express" von Academie (gibts bei Douglas) lassen sich die Flecken recht gut abdecken, sieht man auf dem rechten Foto.

beide Hände beide Hände

Ich trage die dunkelbraune Flüssigkeit mit einem Wattestäbchen vorsichtig auf, denn was mal drauf ist, lässt sich die nächsten Stunden so gut wie nicht mehr abbekommen was in Punkto Schwimmen und Schwitzen (ich bin Sportlerin) sehr von Vorteil ist. Die Ränder verwische ich mit einem sauberen Wattest&aum;bchen, damit die Kontraste so gut wie kaum sichtbar sind. Leicht rötlichbraun sind fast alle Selbstbräner, aber es gibt doch Unterschiede.

Bei den Halonävus sieht die Lage etwas trister aus.

Fußrist
Dieses Foto zeigt "nur" den linken Fußrist. Ich habe derart weiße Kreise, die verschieden groß sind, überall am Körper verteilt. Mit Abdecken am Rücken hat man alleine kaum eine Chance. Mit Selbstbräuner kann man zwar kaschieren, sehen tut man die Flecken aber trotzdem, auch wenn sie dann nicht mehr so weiß und kontrastreich hervorstechen. Mit Protopic sind sie nur minimal kleiner im Durchmesser geworden, Erfolg in dem Sinn brachte die Schmiererei und mit Folie zudecken aber eher nicht. Diese Kreise, besonders an den Fußristen, sind mit Abstand psychisch am meisten belastend, da ich meist mit Socken und Turnschuhen am Weg bin, als Frau aber natürlich auch gerne Sandalen tragen würde.
Auch die weißen Stellen im Intimbereich sind mir dann vor allem peinlich, unangenehm sind sie ja sowieso, wenn sie ein Mann sieht.

Es nützt aber alles an Emotionen nichts, deshalb verändert sich Vitiligo nicht. Ich werde weiter mit Protopic cremen und mit Frischhaltefolie abdecken, damit die Salbe dort einzieht wo sie soll und nicht in der Kleidung versickert.
Fortsetzung folgt also weiterhin


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Letztes Update 12. Juni 2011
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