Make up - Schminken auch für Sehbehinderte und Blinde

Ich schminke mich seit Jahren je nach Trend der Tipps diverser Zeitschriften. Ich hörte von Bekannten immer öfter von Typ- oder Farbberatung und begann mich dafür zu interessieren. Mich störte zunehmend, dass ich jahrelang fast immer gleich aussah. Frau verändert sich ab und zu gerne, besonders, wenn sie älter ist *lächel*. Welche will nicht so lang als möglich jugendlich und attraktiv aussehen?

Ich durchstöberte das Internet und kam schließlich mit Hilfe meines Mannes, der meine Idee wohl gut fand, auf die Seite von Sabine Burggraf. Ihr Angebot schien mir das richtige für mich zu sein. Ich vereinbarte einen Termin und war aufgeregt und neugierig zugleich, was mich wohl erwarten würde.

Die Makeupbine, die ihr Geschäft so benannt hat, ist unkompliziert und umgänglich. Zuerst waren wir unsicher, weil sie wegen meiner Sehbehinderung nicht recht wusste, wie sie mir etwas erklären oder zeigen sollte. Für gewöhnlich schminkt sie eine Gesichtshälfte vor, die Besucherin sollte dann die andere nachschminken. Wir einigten uns darauf, dass sie einfach so vorgeht, wie bei allen anderen sehenden Personen und wir dann das bestmögliche draus zu machen versuchten.
Wir setzten uns an einen Schminkspiegel. An sich schminkt sie alles mit dem Pinsel oder andern Behelfen. Damit kann ich aber nicht umgehen, weil ich mich im Spiegel nicht detailliert sehe und somit mit den Stiften etc. kein Gefühl für die richtige Entfernung habe.
Wir berieten uns und kamen auf die Idee, mit den Fingern zu schminken. Wir einigten uns auf ein dezentes Make-up. Es besteht aus einer leicht getönten Tagescreme, die die Haut auch mit Feuchtigkeit versorgt.
Wichtiges Detail: Das Gesicht ist gründlich zu renigen, damit man Makeup fleckenfrei auftragen kann.

Dann gings zum Lidschatten. Um die geeignetste Farbe zu wählen, recherchiert sie, ob man ein Kalter- Warmer- oder Mischtyp ist, auch auf die Haut-, Augen- und Haarfarbe kommt es an.
Was man hervorheben will, schminkt man eher dunkler, was man zurücksetzen will, eher heller vor allem, wenn es um Unterschiede bei den Augenlidern geht, wovon viele Sehbehinderrte – wie auch ich – oder Blinde betroffen sind.
Von den oberen Augenbrauen bis zur Lidfalte schminkten wir in pastellfarbenem Aprikot, das linke Auge von der Lidfalte bis zum Wimpernkranz eher etwas dunkelbräunlich, das rechte hellbräunlich. Auch das mit den Zeige- und Mittelfingern aufzutragen, war kein Problem. Man spürt beim berühren mit den Fingern in den Tiegeln, wieviel man erwischt hat und der Lidschatten auf den Augenlidern muss sich samtig anfühlen, dann ists okay.

Die Augenbrauen sind über der Nasenwurzel und unter dem Augenbrauenknochen rasiert und dann zart nachgestrichen. Das selber zu lernen ist auch keine große Kunst. Ich mache es seit Jahren ohne Spiegel. Vieles ist reine Übungssache, das bezieht sich auch aufs Schminken.
Die Wimpern tuschten wir die oberen und unteren und sie zeigte mir einen
Trick, damit keine sogenannten Fliegenbeine entstehen.

Das Rouge (Wangenrot) setzt man - je nach Gesicht - bei mir unter dem Jochbein an und verteilt es bis zum Kinn und dem Ohr, quasi wie ein Dreieck.

Bei den Lippen wird die Kontur umrahmt, dann werden die Lippen ausgemalen. Wenn z. B. die Unterlippe schmäler als die Oberlippe ist, wird sie mehr umrahmt oder ausgefüllt, so gleicht man den Unterschied aus.

Wir haben beide aus dem Nachmittag viel gelernt, es war für uns eine neue, aber sehr positive Erfahrung.

ich sitze geschminkt auf dem bequemen Sessel

Sie berät auch, welche Frisur passend wäre. Die Haarfarbe bzw. Strähnchen sollten nur zwei Nuancen heller oder dunkler als die Ursprungsfarbe sein und die Augenbrauen würde sie dezent braun färben lassen.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, es kann sich jede sehbehinderte bzw. blinde Frau selbst schminken. Mit Anleitung von Frau Burggraf hat man dann auch die richtigen Farben und Tricks raus. Ich kann mich inzwischen auch ohne Licht und Spiegel schminken und es sieht – auch laut Frau Burggraf perfekt aus. Sie als Fachfrau muss es wissen.

Ihr Studio ist leicht zu finden. Als Wienerin fährt man mit der U 6 bis zur Station Alser Straße, überquert die ampelgesicherte Kreuzung gerade aus und nach links. Dann befindet man sich in der Hernalser Hauptstraße und geht einige Meter der linken Hausmauer entlang. Frau Burggraf bietet in unserem Falle auch an, von der U-Bahn abzuholen oder hin zu bringen, es sind ja nur ein paar Meter.


Zurück zu "Oft gestellte Fragen"
Zur Startseite

Letztes Update 05. Juli 2008
© Copyright by Burgi Bänder, Wien