Luftgewehrschießen für Sehbehinderte und Blinde - Ein nicht alltäglicher Sport

Durch einen Zufall entdeckte ich mit 21 Jahren die Begeisterung für den Schießsport. Meine fast blinde Freundin Susanna schoss bereits und wollte mich für ihr Hobby begeistern. So begleitete ich sie eines Tages an ihren Trainingsort.

Von da an fing diese Sportart an, mir Spaß zu machen und ich begann zu trainieren. So wurde ich 1986 im damals einzigen Bewerb "stehend aufgelegt" Landesmeisterin des Behindertensportverbandes Wien.

Ab diesem Zeitpunkt an trainierte ich zweimal die Woche in einem Schießclub. Dort waren zwei Schießstände für die Bedürfnisse sehbehinderte bzw. blinder Menschen adaptiert worden. Es wurde pro Stand ein Halogen-Punktstrahler zur Beleuchtung der Zielscheibe montiert. Zwei schwarze Tafeln hinter der Scheibe an der Mauer sorgten dafür, dass die Lichtreflexion durch die Wand vermieden wurde.

Nach und nach wurden mir das Luftgewehr, sowie die Zieleinrichtung, die von der Firma Swarovski speziell für diesen Zweck entwickelt wurde, vertrauter. Diese Zieleinrichtung sieht aus wie ein Zielfernrohr, durch welches man jedoch nicht hindurchsehen kann. Eine Spezialvorrichtung wandelt das von der Scheibe reflektierte Licht in einen Ton um, der über Kopfhörer empfangen wird. Je näher man zur Scheibenmitte kommt, desto höher wird der Dauerton. Am Punkt des höchsten Tones sollte der Abzug betätigt werden.

Der Fotografierende sieht mir beim Zielen über die Schulter

Hat man gelernt, das Gewehr ruhig zu halten, die Atemtechnik zu beherrschen und sich im richtigen Moment nicht zu bewegen, kann es sich nur um einen 10er (also Zentrum bzw. Scheibenmitte) handeln.

Früher legten wir das Gewehr auf einen Ständer auf, so war man automatisch auf der richtigen Höhe und relativ schnell ‚gehörmäßig’ im Zentrum. Diese Methode ist national als eine eigene Disziplin anerkannt und nennt sich "stehend aufgelegt" Ich wurde dreimal, 1988, 1992 und 1994 Österreichische Meisterin in diesem Bewerb. Mit der Zeit wurde immer öfter von dem Begriff ‚stehend frei’ gesprochen, wobei das Gewehr ohne jegliche Auflage, genauso wie bei nicht behinderten Schützen, frei in der Hand gehalten wird. Ich ließ mir folglich eine eigene Schießjacke anfertigen und trainierte seit 1995 gemeinsam mit einem, vom Behindetensport ausgewählten, Trainer namens Otmar Fellner härter an dieser Disziplin.

Otmar steht neben mir, wenn ich ziele

1996 gelang es mir, bei der Österreichischen Meisterschaft, Dritte in der Gesamtwertung mit den Männern zu werden, da ich zu jenem Zeitpunkt die einzige blinde weibliche Österreicherin war, die in dieser Disziplin antrat.

Im Laufe der Jahre fanden glücklicherweise mehr Frauen, auch außerhalb Österreichs, Gefallen am Schießsport und vor allem an der Disziplin ‚stehend frei’. So fand 1999 die erste Europameisterschaft in Chalon-sur-Saone, Frankreich, statt. Diese EM bestand jedoch nicht nur aus einem Bewerb, sondern auch ‚Liegend’ und im ‚Dreistellungsmatch’ musste geschossen werden. Folglich trainierte ich mit meinem Trainer im Vorfeld in Bauchlage, also liegend, 60 Schuss und konnte dabei bei der EM den 2. Platz belegen. Das Dreistellungsmatch bestand damals aus 20 Schuss liegend, 20 sitzend und 20 stehend. In diesem Bewerb holte ich mir meinen ersten Europameistertitel. ‚Stehend frei’ waren 40 Schuss zu tätigen, und auch hier wurde ich zum zweiten Mal Europameisterin.

Schießen zählt noch immer zu meinem Lieblingssport. Ich möchte dieses Hobby noch so lange ausüben, wie es mir Spaß macht.

Ich persönlich werde weiterhin ehrgeizig und voller Elan dem Schießsport nachgehen. Auch Rückschläge werden mich nicht abhalten, mit dem Luftgewehr mein Bestes zu geben. Kein Sportler ist vor Tiefschlägen gefeit, es kommt lediglich darauf an, was man daraus macht.


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Geschrieben am 14. Juni 2001
Letztes Update am 26. Mai 2007
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