Tag der offenen Tür

Die Landesgruppe für Wien, Niederösterreich und Burgenland des Österreichischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (ÖBSV) beging am 30. Mail 2008 den Tag der offenen Tür. Das Braille Haus und das Haus des Auges waren von 10 - 18 Uhr für Jede(n) geöffnet.

Prgrammpunkte waren unter anderem:


• Pro-Retina-Plus, Infostand rund ums Auge
• Blinde und sehbehinderte Keramikerinnen stellten ihre Werke aus
• Brailleschrift: Jeder konnte versuchen, seinen Namen in Blindenschrift zu schreiben.
• Augenärztliche Sprechstunde
• Beratung durch Optiker
• Blutdruck- und Blutzuckermessung
• Massage-Fachinstitut - Schnuppern im Bereich Schulter- und Nackenmassage.
• Unsicht-Bar
• Hilfsmittel für sehbehinderte und blinde Menschen
• Reich der Sinne
• Allergie-Beratung
und vieles mehr

Es gab auch einen Sportbereich, in dem Kegeln, Darts spielen und das Luftgewehrschießen vorgestellt wurden. Für Letzteres war ich zuständig. Ein längerer Gang im Untergeschoß war dafür wie geschaffen. An der Wand wurde eine dickere Holzplatte befestigt und darauf Styroporfolien geklebt. Damit ein ausreichend hörbarer Kontrast bestand, klebten wir noch ein mattes, schwarzes Papier hinter die Schießscheibe auf die Folien. So war gewährleistet, dass die Kugeln stecken blieben. Für eine eventuell nächste Veranstaltung in dieser Richtung schaffe ich mir einen Kugelfang an, denn an diesem Tag wurde so viel geschossen, dass gegen Nachmittag die Kugeln retour kamen, was nicht angenehm ist und einige auch erschreckt hat. Angesichts eines Luftdruckgewehres ist das aber weder für Menschen noch Gegenstände gefährlich bzw. richtet Sachschaden an. Ebenso wurde das Schussloch immer größer, was zwar für mich lustig aussah, die Besucher sahen es aber anders, denn sie wollten ihre Scheiben zur Erinnerung mitnehmen. Weil ich das weiß, habe ich immer genug Scheiben und Munition mit. Einen Tisch, auf dem ich den Schießständer, das Gewehr, Scheiben und Munition platzierte, stellte ich ca. 10 Meter entfernt hin. Einen Sessel stellte ich dazu, damit sich ein Wartender hinsetzen konnte, wenn Jemand anders schoss. Warteten mehrere, mussten sie halt stehen.

Ab Mittag kamen zahlreiche Besucher und ich stand seit diesem Zeitpunkt bis knapp 18 Uhr an meinem Schießstand. Mit der Zeit ist das viele stehen, erklären, alles im Auge behalten zu müssen und hochkonzentriert sein ganz schön anstrengend, bin ich alleine. Da ich nur auf einem Auge etwa 16 % sehe, muss ich doppelt und dreifach aufpassen von wegen:
Greift ja Niemand neben mir nach etwas, läuft Keiner am Tisch vorbei in Richtung Scheibe weil er sehen will, was er geschossen hat, lassen die Leute eh nicht einfach das Gewehr aus, was auch vor kam etc. Wenn ich nach vor zur Holzplatte ging, um eine neue Scheibe mittels Pinstecker anzubringen, musste ich immer zugleich zurück schauen, damit ja Niemand das Gewehr angriff und womöglich gar schoss. Manchmal muss man da ganz schön energisch sein, damit man sich Gehör und Respekt verschafft, überhaupt gegenüber halbwüchsigen Schülern, die in der Klasse kamen

Bevor die Leute die Waffe in die Hand bekommen, zeige ich ihnen, wie sie zu halten ist und lasse ihnen den höchsten Ton hören, den ich schnell finde und halten kann. Dann lasse ich sie ein paar Mal ohne Munition nur mit Luft schießen, damit sie ein Gefühl dafür bekommen, worauf es an kommt z. B.:
Wie sensibel ist der Abzug, wie lange ist der Ton zu halten, wann sollte der Abzug betätigt werden etc.

Manche Situationen waren witzig, beeindruckend und interessant zugleich.
Einige Leute kniffen die Augen zusammen und konzentrierten sich so endlos lange auf den Ton, dass sie aufs eigentliche Schießen mittels Abzug vergaßen. Andere probierten krampfhaft visuell unter der Optik die Scheibe zu erspähen, was ihnen nicht gelang. Mit meinem Sehrest und der Erfahrung bin ich in der Lage, die Leute "einzurichten", das heißt, ich halte sie kurz an der rechten Schulter und bewege den Lauf in Richtung Scheibe. Da hör ich dann schon ein "Aja, jetzt wird der Ton höher." Mittels zweitem Kopfhörer kann ich mithören und weiß, ob der Betroffene auch den höchsten Ton gefunden bzw. erkannt hat und im richtigen Moment abzieht.

Der Großteil der Menschen war sehr interessiert, wollte genau wissen, wie diese Sportart funktioniert und versuchte sich selbst akustisch zu orientieren.

Ein Mädchen war besonders eifrig und auch recht gut.


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Letztes Update 02. Juni 2008
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