Internationaler Wettbewerb in Lamprechtshausen

Der Austragungsort war - für mich zum zweiten Mal - der Schießstand des Sportschützenvereins in 5112 Lamprechtshausen. Der Eingang befindet sich auf der Rückseite des Gemeindeamtes.
Lamprechtshausen liegt etwa 25 km nördlich von Salzburg.

Erwin Messerer war inzwischen unser fast ständiger und vertrauter Begleiter/Betreuer und so fuhren wir mit seinem Auto am Freitag, dem 12. Juni, bei 35° von Wien ab. Die Klimaanlage und kühlen Getränke im Handschuhfach schätzen wir an so einem heißen Tag mehr denn je.
Am Zielort angekommen war es fast ebenso heiß und so schwitzten nicht nur wir, als wir unsere beiden Koffer die Gewehre und unsere Rucksäcke die 20 Stufen hinunter in die Schießstätte trugen.
Dort waren bereits viele Schützen mit ihren Trainern entweder im Aufenthaltsraum, wo jeder von sehr netten und aufmerksamen Damen mit Speis und Trank versorgt wurde, im Umkleideraum oder bereits trainierend am Schießstand.
Heuer war ein immenser Auflauf, denn 6 Nationen mit insgesamt 28 Schützen nahmen an diesem internationalen Wettbewerb teil.
Vertreten waren:
Finnland, Polen, Tschechien, die Slowakei, die Schweiz und Österreich.
Veranstalter war der Blinden- und Sehbehindertensportverein Salzburg in Zusammenarbeit mit dem Sportschützenverein Lamprechtshausen.
Die Gesamtleitung übernahm Dr. Max Ott - Obmann des Blinden- und Sehbehindertensportvereins (BSSV) Salzburg

Da die meisten Schützen erst im Laufe des Abends ankamen - so auch wir - wurden die Trainingseinheiten im Halbstundentakt gestaffelt, damit jeder die Möglichkeit bekam, die neue elektronische Einrichtung (DISAG-Anlage) schießend zu testen und auch, um sich auf den bevorstehenden Wettbewerb vorzubereiten.
Ich war sehr beeindruckt, denn vor gut einem Jahr, als ich das letzte Mal hier schoss, waren noch Seilzüge. Auf den großen Bildschirmen konnte sogar ich mit meinen nur 16 % Restsehvermögen alles lesen und das faszinierte mich. Stolz und erfreut erzählten mir die dort ansässigen Schützen bzw. Verantwortlichen, dass alle 10 Stände schuldenfrei auf Elektronik umgestellt werden konnten.

slowakische Schützen beim Training Schweizer Schützen beim Training Slowakischer Schütze beim Training Andrea und Erwin beim Training

Erschöpft vom anstrengenden Tag, aber gut gelaunt, fuhren wir in unser Quartier, das sich im Landgasthof Oberarnsdorf befand. Die Wirtin der Familie Schmiederer servierte uns auch noch um 21.30 belegte Brote, Toasts und Getränke. Wir genossen die gelsenfreie und wunderbar laue Abendstimmung bis 23.30 im Freien, bevor wir in den Zimmern müde ins Bett fielen.

Am Samstag, dem 13. Juni, erwartete uns um 7 Uhr ein herrlich gedeckter Frühstückstisch mit Kaffee, Saft, weichem Ei, verschiedenem Gebäck, Butter, Marmelade, Wurst, Käse und Gemüsestückchen.

Gestärkt gingen wir den Schießtag an. Folgende Bewerbe wurden ausgetragen
09.00 bis 10.45 Uhr: "stehend frei" für Frauen und Männer
11.00 bis 12.45 Uhr: "stehend frei" für Frauen und Männer
13.00 bis 13.30 Uhr: Finale "stehend frei" für die 4 besten Frauen und die 6 besten Männer

Wegen gesundheitlicher Probleme musste ich schweren Herzens auf diesen Bewerb verzichten.

14.00 bis 15.45 Uhr: "stehend aufgelegt/sitzend mit Riemen" für Frauen und Männer
16.00 bis 17.45 Uhr: "stehend aufgelegt/sitzend mit Riemen" für Frauen und Männer
18.00 bis 18.30 Uhr: Finale "stehend aufgelegt/sitzend mit Riemen" für die 4 besten Frauen und die 6 besten Männer

Diese Disziplin ist Neuland für mich, es war der erste "öffentliche Auftritt". Auch da beeinträchtigten mich gesundheitliche Probleme. So war ich weit ab der 4 besten Frauen.

Obwohl ich um meine Problematik wusste, wollte ich unbedingt dabei sein und habe sowohl das Training als auch den Wettbewerb mit allen Sinnen und in vollen Zügen genossen.
Inzwischen sind wir mit vielen Schützen und Betreuern befreundet, teilen Sport, Spaß und Diskussion.

Maria und ich beim Training 6 Monitore auf einem Blick Die Schweizer sind inzwischen Freunde geworden

Ich fand es höchst interessant zu sehen und zu hören, wie die nicht bekannten Schützen schossen.
Wie stehen sie beim Bewerb "stehend frei"?
Welche Ausrüstung haben sie an?
Wie halten sie die linke Hand?
Welche Beleuchtung verwenden sie?
Wie sind ihre Ergebnisse etc ?.
Leider konnten wir uns kaum verständigen, denn der Großteil der nicht deutschsprechenden Schützen war auch des Englischen nicht mächtig. Schon deshalb war eine mehrsprachige Dolmetscherin vor Ort, die sehr geschätzt wurde und vor allem bei der Durchführung der Kommandos hilfreich war z.B.:
Der Betreuer hält während des Finales die Hand/Arm hoch, wenn der Schütze zielt. Erst wenn er abgeschossen hat, darf der Trainer die Hand senken. So weiß der Durchführende, wann alle geschossen haben. Für 10 Schuss haben die Finalisten jeweils 75 Sekunden Zeit.
Schützen, Betreuer und Zuschauer fieberten mit, folgte das Kommando:
"Für den 1. Schuss laden!"
Jeder griff in seine Munitionsbox, lud und schloss den Spannhebel. Dann folgte das Kommando: "3, 2, 1 Start!"
Man hörte die zig verschiedenen Töne und Lautstärken der Kopfhörer, wenn 10 Blinde/Sehbehinderte nach Gehör zielten. Die Einen schossen schnell, die Anderen warteten die ersten Schüsse ab. Erst dann gaben sie in der bereits eingetretenen Stille ihren Schuss ab, was ich wegen des besseren Hörens und Konzentration bisher auch so handhabte. Nach der Schussabgabe war das Klicken der geöffneten Spannhebel zu vernehmen.
Waren alle Hände der Betreuer gesenkt bzw. die 75 Sekunden um, erfolgte das Kommando: "Stopp!"
Dann wurde das Ergebnis durchgesagt z.B.:
"Stand 1 9,9, Stand 2 10,7" - es erfolgte anerkennender Applaus - Stand 3 usw.

Am Abend wurden wir in einem nahe gelegenen Restaurant zu einem Abendessen eingeladen, anschließend fand die Siegerehrung statt.

Leider erfuhr ich die Namen der engagierten Helfer nicht.
Ich möchte mich bei allen recht herzlich für die Organisation und Abwicklung bedanken, denn auch dadurch wurde es ein gelungener und unvergessener Tag.


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Letztes Update 18. Juni 2010
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