Luftgewehr, Spezialoptik, Schießscheiben, Disziplinen

Mein Luftgewehr LG 100

Stolz zeige ich mein LG 100

Dieses handelsübliche Gewehr von Steyr - das LG 100 - ist fast vollkommen aus Aluminium angefertigt und besitzt den großen Vorteil, dass man die Laufverlängerung und den Hinterschaft abnehmen, es also zerlegen kann. Somit ist der Gewehrkoffer wesentlich kürzer, was den Transport der Waffe erheblich erleichtert. Die glänzenden Aluteile kombiniert mit den Holzelementen wirken schlank und elegant. Es hat eine Pressluftkartusche mit einem integrierten Manometer. Somit kann man genau sehen, wann es Zeit zum Nachfüllen ist.

Deutlich sieht man das Manometer

Technische Daten

Ca. 400 Schuss bei 200 bar und 7,5 Joule Mündungsenergie.
Kaliber: 4,5 mm
Gesamthöhe: 240 mm
Gesamtlänge: von 1135 mm bis 1180 mm
Gesamtbreite: 58 mm
Lauflänge: 430 mm
Gewicht mit gefülltem Pressluftbehälter ohne Zusatzgewichte: 4,4 kg
Maximal zulässiger Fülldruck: 200 bar
Zusatzgewichte:
Zusatzgewicht Vorderschaft: 100 g
Zusatzgewicht Hinterschaft: 100 g
Zusatzgewicht Lauf: 100 g
Zusatzgewicht Laufmantel: 60 g

Der ehemalige OSM Alfred Tauber vom HSV Stammersdorf (Wien) überließ mir ein Vereinsgewehr des HSV Stammersdorf, wofür ich mich sehr bedanke. Ich durfte es komplett auf meine Bedürfnisse einstellen:
Das Diopter tauschte ich gegen die Spezialoptik, die Gewichte nahm ich heraus, so dass es nun 4,8 Kilo wiegt.

Ladevorgang

Dicht stehen wir während des Bewerbes nebeneinander

Was allen sehenden Schützen auffällt, mein Ladevorgang ist anders, wie man auf dem Bild erkennen kann. Jeder normalsehende Schütze hat neben sich einen Ständer stehen, auf welchem er das Gewehr in Ellbogenhöhe ablegt und ladet. Das hat den Vorteil, dass er beim aufnehmen optisch schneller ins Ziel findet. Bei uns sehbehinderten oder blinden Schießsportlern bietet diese Methode keine Vorteile, da wir uns akustisch sowieso wieder neu einrichten müssen. Außerdem hat jeder Schütze bei Wettkämpfen und oft auch während des Trainings einen Betreuer neben sich stehen, wie man auf dem Foto sieht, der ihm - bei Seilzuganlagen - die Scheiben wechselt, da wäre für einen Schießständer kaum Platz. Bei elektronischen Anlagen achtet er auf deren exakte Funktionalit&aum:t.

Spezialoptik ZE-B 618

Diese wurde(n) in den Jahren 1970 bis 1980 speziell für sehbehinderte und blinde Schützen von der Firma Swarovski entworfen und angefertigt. Der Aufsatz sieht optisch aus wie ein Zielfernrohr, nur kann man nicht hindurchsehen. Er hat die Funktion, das Licht, welches den Treffpunkt beleuchtet, in Ton umzuwandeln. Diesen höre ich mittels Kopfhörer, der an einer Buchse angesteckt ist. Ist dieses Signal tief weiß ich, ich bin außerhalb der Scheibe. Ich kreise mit dem Lauf, finde das Ziel, ist der Ton am höchsten, gebe ich den Schuss ab.

Technische Daten

Objektivdurchmesser 32 mm
Objektivbrennweite 113 mm
Mittelrohrdurchmesser 26 mm
Eingangsspannung 7 - 12 V DC
Versorgungsstrom 100 mA
Trefferpunktkorrektur in 10 m Entfernung 0,7 mm je Raster

Zielscheibe

Sehende Schützen schießen alle Bewerbe mit dem Luftgewehr auf Luftgewehrscheiben, (LG-Scheiben), bei denen der schwarze Kreis in der Mitte kleiner ist als bei unseren Luftpistolenscheiben (LP-Scheiben).
Durchmesser LG Scheiben = 27 mm
Durchmesser LP Scheiben = 60 mm
Die Spezialoptik reagiert auf Licht, folglich können wir nicht ins schwarze zielen, wohl aber treffen. Die Firma Swarovski entwirft nach wie vor eigene Schießscheiben, die in der Mitte weiß sind und außen schwarz, also genau umgekehrt aussehen, wie die im Handel erhältlichen LP-Scheiben. Der Durchmesser des weißen Feldes muss dem Objektivdurchmesser entsprechen, also 3,2 oder 3,5 cm sein, da die Spezialoptik nach dieser Größe entwickelt wurde. Man zielt also ins Weiße und trifft darunter, darüber, links oder rechts (je nachdem wie man die Ziel/Treffjustierung einstellt) ,ins Schwarze.
Zur Feinjustierung des Gewehres befinden sich auf der Zieleinrichtung zwei Stellschrauben. Mit diesen kann man den Treffpunkt in Höhe und Breite einstellen.

Zu diesem Zweck bastelt sich jeder Trainer/Schütze seine eigene Schablone, die ein relativ genaues Schießen ermöglicht.
Aus einem schwarzen Karton wird ein Loch geschnitten, in das der Spiegel (das Schwarze) der LP-Scheibe exakt hineinpasst. Einen weißen Kreis (jeder Schütze hört indivuduell), klebt man genau an den Spiegel. Die LP Scheiben werden entweder hinter oder in die Schablone gegeben. Ich wählte Zweiteres, da ich im Training ohne Betreuer mit der linken Hand, also einhändig, die LP-Scheiben wechseln kann. So muss ich nicht mein Gewehr ablegen, was zur Folge hätte, dass ich nicht nur die Stellung der Beine ändern müsste sondern sich auch große Probleme beim Auffinden des Zieles ergeben würden.

Die drei folgenden Fotos zeigen, wie die gefertigte Schablone von vorne und hinten ohne LP-Scheibe aussieht und dann mit LP-Scheibe.

meine selbst gebastelte Schablone die Rückseite meiner Schablone Die LP-Scheibe im Karton

Disziplinen

National gibt es die Disziplin "stehend aufgelegt".
Hier liegt der Gewehrvorderschaft auf einem Gabelständer auf, was das Auffinden des Zieles erleichtert. Der Bewerb ist zum Einsteigen in diesen Schießsport sehr gut geeignet, weil man sich in den Ton einhören kann und den Umgang mit der Waffe erlernt. So bekommt man ein Gefühl für die Konzentration, die richtige Atemtechnik und wann man den Abzug mit dem einstellbaren Druckpunkt zu betätigen hat. Auch gibt es Sehbehinderte und Blinde, die die 5,5 Kilo schwere Waffe aufgrund ihrer Augenerkrankung (oder anderen Gründen) nicht frei halten dürfen oder auch wollen. Mit dieser Disziplin haben auch sie Gelegenheit, österreichweit an Bewerben teilzunehmen.
Männer schießen 60, Frauen 40 Schuss.

International wird die Position "Stehend frei" gefordert, die man aber auch national schießen kann. Dabei hält man das Gewehr frei (also ohne Auflage) in beiden Händen. Die einzunehmende Körperhaltung entspricht der der Sehenden. Für diesen Bewerb empfiehlt sich die Verwendung von Schießjacke, Schießhose, Schießschuhen und Schießhandschuh.
In der Regel schießen Männer 60, Frauen 40 Schuss.

Bei der Position liegend, liegt man auf einer eigens dafür angefertigten Pritsche. In dieser Position gelten ebenso für Frauen wie für Männer 60 Schuss.

Sitzend mit Riemen ist eine relativ neue Disziplin und weicht dem der Sehenden "Ligend mit Riemen" ab. Offenbar ist es für nichtsehende Schützen zu schwer, liegend mit Riemen ins Zentrum zu finden. Auch hier gelten, 60 Schuss für Frauen, wie für Männer.

Ich schieße mit Riemen

Eine weitere Disziplin ist bzw. war das 3-Stellungs-Match. Dabei schießt man liegend, sitzend und stehend frei in Kombination. Männer schießen 3x40, Frauen 3x20 oder auch 3x40 Schuss. Manche Disziplinen oder die Schussanzahl ändert sich je nach Teilnahme oder dem Bestimmungsort.


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Letztes Update 30. Mai 2012
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