Glaukom bestimmt mein Leben

Autobiographie von Nothburga Karnutsch 1997, 207 Seiten
mit Vorwort von OA Dr. Karl Rigal

Meine Sehbehinderung "verdanke" ich dem grauen und grünen Star. Der grüne Star – auch Glaukom genannt – ist dafür verantwortlich, dass das Sehvermögen wohl im Laufe der Jahre abnehmen wird. Glaukom ist zwar behandelbar, jedoch nicht heilbar.
Nähere Infors zum grünen Star finden sie unter meiner separaten Homepage: Glaukom- auch grüner Star genannt.
Die Augenerkrankung begleitet mich mein ganzes Leben lang. Darum entstand diese Autobiographie, aus der ich einen Auszug schreibe, damit Sie einen Einblick gewinnen können.

An diesem letzten Krankenstandswochenende wachte ich nachts plötzlich auf, weil ich so starke Kopfschmerzen hatte und das besonders auf der rechten Seite. Automatisch berührte ich meine Augen wie ich es immer tat, wenn ich Kopfweh hatte. So konnte ich ertasten, ob der Augapfel hart (also der Innendruck hoch) war, wo meist die Ursache für solche Schmerzattacken lag. Obwohl ich damit rechnete, daß die Augen weich waren und ich nur schlecht gelegen hatte, waren sie es nicht, gerade das rechte nicht. Ich erschrak ziemlich, wurde dadurch hellwach und bekam es leicht mit der Angst zu tun. Es würde doch jetzt in Gottes Namen nicht schon wieder losgehen, dachte ich verzagt. Bis jetzt war der Druck fabelhaft niedrig gewesen und die Chancen standen gut, daß er so blieb. Weil es bis zum Vormittag nicht besser wurde, führte mich schließlich mein Weg ins Spital, wo heute Frau Doktor Baumgartner Sonntagsdienst hatte. Sie war eine sehr nette junge Ärztin, kannte mich von meinen stationären Aufenthalten und untersuchte mich gleich gründlich. Allerdings erschrak auch sie, weil rechts der Druck extrem hoch war, nämlich auf 54 mmHg. Wie ich auf dies hinauf erfuhr, war OA Rigal aus dem Nachtdienst noch da und kam wegen dieser unangenehmen Nachricht sofort ins Untersuchungszimmer. Ich bekam ein mulmiges Gefühl und abrupt aufkommende Angst schnürte mir die Kehle zu. Gar so hoch war der Glaukomwert nämlich noch nie gewesen, bis vielleicht auf ein oder zwei Ausnahmen. Was würde jetzt wohl geschehen? Meine Nerven waren binnen kürzester Zeit zum Zerreißen gespannt und von der Energie, die ich während der paar letzten Wochen aufgebaut hatte, war absolut nichts mehr da. Rigal schien obendrein einen anstrengenden Nachtdienst hinter sich zu haben, denn er sah müde und abgespannt aus, überhaupt wirkte er niedergeschlagen. Nach einer äußerst flüchtigen Untersuchung schüttelte er resigniert den Kopf und wandte sich wortlos von mir ab. Am liebsten hätte ich jetzt drauflosgeheult, denn sein Schweigen sagte mir Alles. Schließlich wandte er sich mir flüchtig zu und stützte nebenbei den Kopf in seine recht Hand.
"Schon wieder sind alle Schnitte zugewachsen und komplett vernarbt. Der Eingriff war erneut umsonst"
Wieder blickte er auf dieselbe Seite meiner Krankengeschichte, die er ja bestimmt schon auswendig kannte. Er studierte sie wohl deshalb so genau - oder tat zumindest so - um mir nicht in die Augen sehen oder mit mir reden zu müssen, denn ihn deprimierte dieser erneute Mißerfolg sicher auch und machte ihn hilflos wie wütend. Schien fast so, als fehlten jetzt auch ihm die Worte, nicht nur mir. Er war sicher selbst enttäuscht, gerade über diese zweite fehlgeschlagene Goneotrepernation. Sämtliche Versuche, den Innendruck zu senken waren bisher gescheitert. Schließlich gab er sich immer wieder von Neuem Mühe um mir zu helfen, bestimmt tat er sein Bestes. Daß mir aber kaum bis gar nicht zu helfen war, schien ihn wohl auch etwas zu deprimieren. Nun, dann waren wir schon zu zweit, die mut- und ratlos waren.

50 Seiten - 3 Monate - nachher
Auf der Augenstation angekommen, bekam ich ein schönes, sonniges Drei-Bett-Zimmer und packte sogleich meine wenigen Habseligkeiten in den kleinen Kasten, der in einer Ecke stand. Da mich sowohl Krankenschwestern als auch Ärzte kannten und mich tröstend als "Stammpetienten" bezeichneten, waren die Aufnahmeformalitäten rasch erledigt und nur wenige Untersuchungen nötig. Schießlich musste Günther gehen, da halfen keinen Tränen der Angst oder Nervosität. Ich blieb alleine zurück und Keiner konnte mir in den nächsten Stunden helfen. Nach dem Mittagessen - ich hatte obendrein keinen Hunger - hatte ich bereits das gelbe OP-Schild oberm Bett hängen und Alles schien wie gewohnt reine Routine zu sein und seinen üblichen Lauf zu nehmen. Am Nachmittag legte ich mich hin, denn ich konnte ja nicht ewig den langen Gang mit dem grünen Boden auf- und abgehen, außerdem taten mir allmählich die Füße weh. Trotz meiner sehr großen Angst schlief ich kurz ein, doch weil meine beiden alten Zimmerdamen schlecht hörten, schrieen sie sich zur besseren Verständigung an, eine links von mir, die andere rechts, ich lag leider in der Mitte. So stand ich schließlich genervt auf und trat ans Fenster, wo ich in den tiefblauen Himmel hineinsah und mich immer wieder dasselbe fragte: Ist es wirklich richtig, gibt es denn tatsächlich keine andere Lösung mehr? Gerade jetzt kam große Angst und Unentschlossenheit in mir hoch. Als gäbe es Gedankenübertragung, kam genau in diesem Moment OA Rigal ins Zimmer und bat mich mit ihm zu kommen. Er fragte mich im Untersuchungszimmer ein leztes Mal, ob ich mit diesem endgültigen Eingriff auch wirklich einverstanden war. Ich nickte lediglich wortlos, weil ich ja im Grunde sowieso keine Wahl hatte. Doch er beließ es nicht dabei und sprach mit mir noch einmal die Für und Wider des Implantates und der bevorstehenden Augenentfernung durch. Doch letztendlich kam dabei sogar heraus, dass noch mehr Negativpunkte als noch vor einer Woche gegen das Implantat auftraten und das überzeugte mich nun restlos. Das rechte Auge musste heraus und morgen um diese Zeit war ich es für immer los. Furchtbar wie das klingt, aber ich dachte im Moment wirklich so..........


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Letztes Update 04. November 2002
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